:: unbefangen? ::
im zeichentrickfilm gibt es das unbekümmerte opfer, das allen gefahren durch seine sorglosigkeit entkommt, in schützender blindheit die füße richtig setzt, über fallen, gullys hinweg, fangarmen entgeht, sich ineinander verkeilende autos hinterlässt. …
comic-style-impressionen aus den letzten tagen:
jemand, der an den dingen drehen kann, also jemand mit fangarmen, verfolgt mich mit dem ansinnen, meine verweildauer im zwangsjäckchen zu verlängern. da bräuchte ich mich nicht einmal in eine hot-shot-liste verweilwütiger einzutragen, das alles ließe sich augenblicklich arrangieren.
meine reaktion — kein schallendes hohngelächter. nach meinem verschwinden werden die dinge irgendwie weiter laufen, versichere ich mit unverschämtem frohsinn. dieser tage kann ich das grinsen nicht lassen; es ist alles zu komisch!
… die unbefangenheit lenkt nicht nur den schritt, sie zwingt den angreifer anzuhalten und zu überlegen, denn er erkennt sein opfer gar nicht, die furchtlosigkeit lässt ihn stutzen.
kein grund für frohsinn oder furchtlosigkeit — man darf orakeln, dass die kunde von der einmaligkeit des brückenjobeinsatzes kein allgemeingültiges gesetz darstellt. wie könnte ich je sicher sein, kein zweites „jobangebot“ marke trödelladen zu erhalten? frei nach whitey the light at the end of the tunnel is a train… wie dem auch sei, ich bin rundum sicher, niemals wieder mitzuspielen.
man fragt nicht, ob ich die pseudo-arbeit „gern“ getan habe und infolge dessen „gern“ nachschlag hätte. vielmehr entstehen elaborierte darstellungen des drohenden endes: wenn ich aussteige, bricht alles zusammen. soll ich hier quasi als bücherlawinenopferrettungshund gebucht werden? ganz gleich wie häufig die beschwörungsformel auch wiederholt wird, dieser jemand könne da was drehen und meinen aufenthalt verlängern lassen — what the heck!
… wenn das opfer nicht zittert, ist er sich nicht mehr sicher, ob er der angreifer ist. und schon ist die gelegenheit, der günstige moment vorüber. b.klix: tiefenrausch
auch wenn die geschichte als „angebot“ vorgetragen und als panisches flehen formuliert ist — dies gilt mir als ein persönlicher übergriff auf die sich leise ankündigende freiheit. die hintergründe lassen durchblicken, dass ich meine einwilligung in die fortsetzung meiner opferrolle* geben soll. vielleicht hinterlasse ich ja sich ineinander verkeilende autos, altpapierlawinen werden sich lösen und die ordnung der dinge unter sich begraben — mein verantwortungsbewusstsein hat augenfällige (an amoralität grenzende) mängel, eh? nix zu machen.
die erste maßnahme habe ich mir reingedreht, obwohl mir das „wie“ zuwider war, das „was“ hingegen hat mich seltsam gereizt. eine zweite maßnahme werde ich mit allen zu gebote stehenden mitteln (der unbefangenheit) abzuwehren wissen — denn heute ist mir das „wie“ geradezu tödlich und das „was“ zuwider. sollte eine zweite rekrutierung anstehen, käme mein einverständnis einem geistigen freitod gleich —
* opfer versus ehre: wäre jemand auf den verrückten gedanken verfallen, mir ein ehrenamt anzubieten, wäre mein aktives engagement für die buchhandlung so gut wie gesichert gewesen.
dass man den haarfeinen unterschied zwischen behördlich angeordneter zwangsjacke und freischwebendem ehrenamt (EHREnamt) bzw. mein empfinden persönlicher würde nicht in betracht zieht, betrachte ich als erwartbaren fauxpas. hier sei für die kopfschüttelnde nachwelt festgehalten: homoacademicus hätte die buchhandlung ehrenamtlich weiter betreut und beackert — der bücher wegen. wie lange ich noch zum ehrenamt bereit sein werde, ist übrigens offen.
